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Hamburgfahrt 2013

Züchterfahrt der IG Charolais-Hessen
 
Hornloszucht im Blickfeld
 
Hamburg und Umgebung waren das Ziel der diesjährigen Informationsfahrt der
Interessengemeinschaft Charolais-Hessen. Besichtigt wurde das Werk der Fa. Hamburger
Leistungsfutter im Hamburger Hafen , sowie die Charolaisbetriebe Klaus Müller in Stelle
und Horst Wehde in Isernhagen.
 
Das im Hamburger Hafen gelegene Werk der Fa. HL Hamburger Leistungsfutter ist in der Agrarbranche auch unter den Namen IBEKA/PANTO bekannt.
Nach Vorstellung der Firmengeschichte und der Produkte wurde anschließend eine
Werksbesichtigung ermöglicht. Es werden 160 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich etwa 230 Tausend Tonnen Futtermittel produziert. Die Produktpalette umfasst Spezialfutter, Ergänzungsfutter, Mengenmischfutter, Premixe und Heimtierfutter.
Durch einen flächendeckenden Außendienst ist die Firma Deutschlandweit aktiv. Der Hafenstandort
hat aber auch zu einem expandierenden Exportgeschäft in 35 Ländern rund um den Globus
geführt. Zum Tagesabschluß konnten die hessischen Charolaiszüchter bei einer zünftigen Hafenrundfahrt eindrucksvoll die gigantische Bedeutung des Hamburger Hafens für den Im-und Export, hauptsächlich durch die an den Ladeplätzen liegenden riesigen Containerschiffe erleben.
 
Am nächsten Tag fuhren die Teilnehmer zum ersten Besichtigungsbetrieb, dem Zuchtbetrieb Klaus Müller in Stelle, ca. 40 km südlich von Hamburg gelegen. Dort, auf dem Eulenhof, wurde die Gruppe von der gesamten Familie Müller, die dort mit drei Generationen unter einem Dach lebt, begrüßt. Die heutigen Altenteiler, Renate und Hermann Müller, begannen 1972 mit der Charolaiszucht. Auf 45 ha Grünland werden 60 Mütterkühe mit Nachzucht gehalten. 20 ha Gemüseanbau für den Hamburger Großmarkt bildet das weitere Standbein des Betriebes. Alles was an Gemüseresten anfällt ergänzt die Futterversorgung der Tiere. Das benötigte Stroh wird zugekauft. In 1998 erfolgte der Einstieg in die Hornloszucht. Die Familie hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, in 2015 soll die Herde aus 100 % homozygot hornlosen Kühen bestehen. Die Zunahmen sollen im Durchschnitt 1500 gr. TZ bei den Bullenkälbern und 1200 gr TZ bei den Kuhkälbern betragen. Das würde bedeuten, dass die Hornloszucht bei Müllers dem Leistungspotenzial einer gehörnten Herde in nichts nachsteht. Auf den Weiden konnte man in den verschiedenen Herden die züchterische Arbeit gut erkennen. Eine große Anzahl der Tiere entsprach trotz Hornlosigkeit vollkommen dem Rassetyp . Besondere Beachtung fand das angestrebte Abkalbealter der Färsen von ca. 2 Jahren. Unter anderem die leichteren Abkalbungen bei der Hornlosgenetik machen dies möglich.
Seit 2003 setzt man durch den Zukauf schwedischer, genetisch hornloser Bullen auf die skandinavische Genetik. Beispielhaft sind hier die Bullen Viking, Concord oder Akron zu nennen, deren Nachkommen in Verden bei den  letzten Fleischrinderauktionen regelmäßig unter den Spitzentieren zu finden waren. Renate Müller erfährt   in Schweden hohe Anerkennung und hat schon als Preisrichterin anlässlich der nationalen Fleischrinderschau fungiert.
 
Am letzten Tag der Reise wurde der Betrieb Horst Wehde in Isernhagen bei Hannover besichtigt.
124 ha Grünland sind die Futtergrundlage für die 75 Kopf starke Mutterkuhherde plus Nachzucht.
Für die Mastbullen und Absetzer werden 150 t Pressschnitzel zugekauft und im Schlauch siliert,
außerdem wird Kraftfutter aus Getreide, Rapsschrot und 20 % Mais gefüttert. Der Grünlandbetrieb
ist komplett eigen mechanisiert. Der Ackerbau mit 340 ha wird in einem zweiten Betrieb, in einer GbR betrieben. Hier werden Raps, Gerste, Roggen und Weizen angebaut.
Die Herdenbesichtigung auf den Weiden zeigte den Teilnehmern rahmige und harmonische
Tiere. Der Betrieb vermarktet Zuchttiere über die Masterrind und die Mastbullen und Rinder
über einen örtlichen Schlachtbetrieb. Im Stall befand sich eine Gruppe deckfähiger Rinder für den Export nach Lettland. Die züchterische Arbeit geschieht über gezielte Besamung, zum Teil auch im Hornlosbereich. Desweiteren wird beim Zukauf von Deckbullen auf höchstes Niveau geachtet.
Mit besten Eindrücken von dem Betrieb Wehde wurde die Heimreise angetreten.
 
Nicht vergessen wurde bei dieser Reise auch der kulturelle Bereich. Die Lage des Hotels
in St. Pauli ermöglichte am ersten Abend den Reeperbahnbummel sowie den
Besuch des St. Pauli Theaters „Schmidts Tivoli“ mit dem seit Jahren immer ausverkauften Musical
„Heisse Ecke“ am Samstagabend. Ein Rundgang über den berühmten Hamburger Fischmarkt am frühen Sonntagmorgen rundete das Programm ab. Bilder zu der Fahrt sind auf der Homepage des Vereines unter www.charolais-hessen.de eingestellt.