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Rasseversammlung 2013 bei Wolfgang Nees

Ganzjährige Stallhaltung mit Charolais
 
Das mittelhessische Neustadt war dieses Jahr der Treffpunkt für die Charolaiszüchter, denn auf dem Betrieb von Wolfgang Nees fand das alljährliche Züchtertreffen statt. Die speziell für die Heu- und Silagebergung ungünstigen Witterungsbedingungen, möglicherweise aber auch der zentral gelegene Standort mögen dazu beigetragen haben, dass eine beachtliche Zahl an Interessenten aus dem Umland des Betriebes zugegen waren und sich bei Wolfgang Nees über die dort seit Jahren umfangreich betriebene Absetzerproduktion informierten. Im Rahmen der Züchterversammlung erhielt jeder Informationen zu vielen aktuellen Themenkomplexen aus der Fleischrinderzucht, die für alle neu gefassten Zuchtziele haben jetzt Gültigkeit und die einzelnen Reglementierungen wurden verbindlich festgelegt. Das Leistungsniveau der Charolaisbullen ist seit vielen Jahren relativ konstant auf dem Niveau von 1.450 g tägliche Zunahme, eine Größenordnung, mit der die aktiven Mutterkuhhalter offensichtlich gut arbeiten können und die auch den Ansprüchen der Bullenmäster als Abnehmer entgegenkommt. Dass die Spitze der hessischen Charolaiszucht problemlos auch im nationalen Bereich konkurrieren kann, wurde anhand der vorgelegten Top-Listen für Kühe und Bullen mehr als deutlich. In beiden Bereichen liegen die Spitzentiere in einer Größenordnung von 120 RZF und erfüllen damit allerhöchste Ansprüche. Dass die hessische Charolais-Genetik nicht nur auf der männlichen Seite gefragt ist, wurde bei den beiden zentralen Veranstaltungen des letzten Jahres beim Fleischrindertag in Alsfeld und bei „Best of“ in Groß Kreutz mit Nachdruck unterstrichen. Die angebotenen Tiere bei den Kühen mit Kalb aber auch bei den tragenden Rindern und Jungrindern entsprachen offensichtlich den Anforderungen der Interessenten und wurden flott verkauft. Für die züchterische Weiterentwicklung wird in Zukunft noch mehr Nachdruck auf den ganzen Merkmalskomplex Fruchtbarkeit gelegt und der jetzt gültige Zuchtwert für Lebensleistung (RZL) ist dafür ein geeignetes Instrument. Die dort nachgewiesenen Fortschritte in den Merkmalen wie Zwischenkalbezeit oder auch Anzahl der Kalbungen werden mittelfristig über den Transfer der Deckbullen aus der Herdbuchzucht auch in die Kategorie der Betriebe zur Absetzererzeugung weitergegeben. Von enormer Bedeutung wird in Zukunft bei der Rasse Charolais der Erfolg beim Aufbau von genetisch hornlosen Linien sein, der über den vorhandenen Gentest deutlich beschleunigt werden wird. Hier gilt es die Qualitäten der Rasse in den Merkmalen Fleischansatz und Zuwachsvermögen mit der gewünschten genetischen Hornlosigkeit optimal zu kombinieren. Genetische Hornlosigkeit allein wird kein Qualitätsmerkmal innerhalb der Rasse Charolais sein.
 
Charolais mit reiner Stallhaltung
 
Aufgrund des hohen Ackerlandanteils spielt der Getreidebau auf dem Betrieb von Wolfgang Nees die zentrale Rolle, doch das vorhandene Grünland wird seit vielen Jahren mit steigender Tendenz über die Charolaisherde genutzt. Dabei stehen alle Tiere komplett über das ganz Jahr im Stall, eine für die Mutterkuhhaltung absolut untypische Haltungsform. Doch warum dieses so ist, bekamen die Züchter von Wolfgang Nees eindrucksvoll erklärt. Das vorhandene Grünland ist sehr stark verstreut und dadurch würde ein enormer Arbeitsaufwand bei der Weidehaltung mit vielen kleinen Gruppen entstehen. Da die Flächen generell mähbar sind, ist die Futterbergung somit kein Problem und die mehrfach aufgetretenen negativen Erfahrungen von durch Fremdeinwirkung entlaufenen Rindern haben dann Wolfgang Nees endgültig zu dem Entschluss gebracht, auf Weidehaltung komplett zu verzichten. Die vorhandenen Laufställe sind heute so eingerichtet, dass für alle Tiere reichlich Liegefläche im eingestreuten Bereich vorhanden ist und der größte Teil der Herde an dem errichteten Außenfuttertisch ganzjährig mit Silage versorgt wird. Auf diese Art und Weise ist die Versorgung und die Betreuung der Herde wesentlich besser organisierbar, wie wenn die Herde komplett auf den verstreuten Grünlandflächen gehalten würde, so die Überzeugung des Betriebsleiters. Die im Einsatz befindlichen Herdenbullen Forban, Vulkan und Van Gogh, beide in Alsfeld erworben und im Betrieb Viering, Landau, gezogen, sorgen für einen nennenswerten Teil der Nachzucht, daneben ist der Betrieb von Wolfgang Nees seit Jahren als Eigenbestandsbesamer sehr erfolgreich und nutzt die überlegene Genetik aus dem Spermaangebot der ZBH. Die Vermarktung der männlichen Absetzer und auch Teile des weiblichen Jahrgangs erfolgt über die Absetzerauktionen der ZBH, auf denen die angebotenen Charolaisqualitäten von Wolfgang Nees stets zu den überlegenen Gruppen in der Gesamtleistung zählen. Mutterkuhhaltung mit ganzjähriger Stallhaltung kann deswegen durchaus eine Alternative sein, wenn die Bedingungen so vorgefunden werden, wie sie auf dem Hof von Wolfgang Nees in Neustadt aktuell gegeben sind.
 
Grünhaupt, LLH Kassel