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Betriebsbesichtigung bei Arndt Roswag

Bericht aus dem Gießener Anzeiger vom 28.02.2012

Bei Roswag besonderes Erlebnis für Charolais-Züchter

28.02.2012 - LONDORF

Führung zu Herden in imposanter Halle des Landgutes Londorf - Leichte Irritation wegen Spießen von anderer Rinderart - Fachvortrag zu Leckmassen
(ju). Nicht nur der Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Charolais (Rinderzucht) Hessen, Horst Bierwirth, aus Ottrau-Weissenborn, sondern auch viele anwesende Züchter waren leicht irritiert, als sie auf der Tageskarte ihrer Tagungsgaststätte Lumdatalhalle in Londorf einen „Schlemmerspieß“ fanden (saftige Medaillons vom Angusrind“). Wie bei rauen Rinderzüchtern üblich, wurde der Fauxpas mit einem schmissigen Kommentar und einem Lächeln abgetan.
Die Lumdatalhalle war nicht nur der Treffpunkt der Charolais-Rinderzüchter, sondern wurde auch für einen Fachvortrag zum Thema „Crystalyx Leckmassen“ in der Fleischrinderhaltung genutzt. Ludwig Probst, in der Raiffeisen Waren Zentrale (RWZ) zuständig für das Produktmanagement „Rind“, erklärte die mannigfaltigen Eigenschaften der verschiedenen zusätzlichen Stoffe in den angepriesenen Leckschalen. Für jede Eventualität gab es Mittelchen, zusammengefasst in witterungsbeständigen sogenannten Leckschalen, vollgepackt mit Rohfaser, Rohfett, Rohasche, Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium und viel Zucker. Außerdem jede Menge Spurenelemente. Herausgegriffen sei an dieser Stelle das Produkt „Garlyx Rind“ das durch einen sehr hohen Anteil von Knoblauch hervorragend gegen die kleinen Plagegeister wie Stechmücken und Fliegen wirken solle.
Die Wirkungsweise blieb unbestritten, dennoch fragte einer der anwesenden Charolais-Züchter warum man sich nicht da nicht weiter auf die alten Hausmittel verlassen sollte? - Einige Knoblauchzehen in eine alte Socke gepackt und in das Wasserfass, das als Tränke für die Rinder dient, gehängt, habe die gleiche Wirkung. Allerdings sei diese Variante viel, viel billiger.
Auf diese Aussage wusste auch Probst von der RWZ keine Gegenantwort. Nach einem gemeinsamen Essen, bei dem übrigens überwiegend das angebotene „Schnitzel“ dem „Schlemmerspieß“ vorgezogen wurde, war eine Stallbesichtigung bei den Charolaiszüchtern Ilse und Arndt Roswag vorgesehen.
Horst Bierwirth zeigte sich besonders erfreut darüber, dass die Stallbesichtigung in den Wintermonaten, während der Aufstallzeit der Herde stattfinden durfte. Arndt Roswag, vom Landgut Londorf, erläuterte seine Philosophie von einer optimalen Fleischrinderzucht und führte anschließend die rund 70 Züchter und interessierten Besucher in seinen beeindruckendem Offenstall in Kesselbach.
Der Mutterkuhstall des Landgutes Londorf, der rund um die Uhr durch ein Überwachungssystem für Landwirtschaft via Internet kontrolliert wird, zeigt beachtliche Ausmaße, die imposante Halle misst 35 mal 62 Meter und ist 14 Meter hoch. Dort können bis zu 290 Tiere gehalten werden. Sie wurde gefördert durch den europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und mitfinanziert vom Bund und vom Land.
Angegliedert an der folienbespannten Halle ist ein nicht überdachter Außenlaufstall, eine große Siloanlage für Silagefutter und ein Gülledepot. In der Halle waren mit einem Stahlformblech-Stecksystem mehrere u-förmige Boxen abgetrennt, in denen drei Herden standen. Die Muttertiere waren mit ihren Kälbern nach weiblichem und männlichem Nachwuchs getrennt gehalten, aber im Herdenverbund belassen worden.
Roswag ließ durch zwei seiner vier festangestellten Mitarbeiter demonstrieren, wie dieser Stall betrieben wird, dabei kamen modernste Lade- und Transportfahrzeuge zum Einsatz. Er erklärte jeden Schritt und antwortete auch auf Fragen im Zusammenhang mit der Charolaiszucht. Dass in der riesigen Halle ein guter Luftaustausch stattfand, merkten die Besucher schnell, denn es zog mächtig. Besonders betroffen davon waren Roswags Sangeskolleginnen und Kollegen (Chor „Regenbogen“), die mitten in der Zugluft für Kaffee und andere Getränke sorgten. Für die Züchterkollegen war das Wintertreffen der IG Charolais sicher ein besonderes Erlebnis, denn nicht nur trockene Theorie wurde präsentiert, sondern auch handfeste Praxis. Und die bedarf nicht vieler Worte.


Bericht aus der Gießener Allgemeinen vom 26.02.2012

Rabenauer Charolais-Rinder den Winter über unterm Zeltdach

Rabenau (vh). Als Grazien mit Sympathieträger-Merkmalen gehen die Charolais-Rinder nicht durch. Vom Wuchs her sind sie groß, breit und muskulös. Robuste Tiere. Die Rasse stammt aus Frankreich, ist einfarbig weiß in der Jugend und später cremefarben, ohne Pigmentflecken. no_charolais_5_vh_270212_4c_1

Lupe - Artikelbild vergrössern Stroh wird auf den Hallenboden geblasen. Auch hier mit dem Futtermischwagen. (Fotos: vh)
 
 
 
Kein Milchvieh, sondern der bevorzugte Lieferant von Fleischprodukten ist momentan im Mutterkuhstall von Ilse und Arndt Roswag oberhalb von Kesselbach am Ortsausgang in Richtung Odenhausen untergebracht. Und die Rinder scheinen eher »unmusikalisch«, denn 240 Tiere – Kalb, Kuh, Stier – sind von stoischer Gelassenheit und geben keinen Laut. Allerdings ist Publikum hier oben keine Seltenheit. Wie am Samstagnachmittag beim Wintertreffen der Interessengemeinschaft Charolais Hessen.
Während der kalten Jahreszeit, von November bis Ende März, ist die freitragende Folienhalle des kanadischen Herstellers Cover-All mit der Grundfläche von 62 mal 35 Meter und einer Giebelhöhe von 14 Metern aufgestallt. Der Hallenboden wird ständig mit Stroh bestreut, die Futtercontainer mit Silage. Bei Roswags haben Gabel und Schaufel ausgedient. Angesichts der Hallengröße und der benötigten Menge an Bodeneinlage und Futter fährt der Traktor mit Futtermischwagen einmal rund, wobei das Material mittels Gebläse an Ort und Stelle gelangt. Das geht ruck, zuck, wirbelt aber ordentlich Staub auf und die Rinder sind hinterher eingestreut. Doch wieder kein Ton. Charolais scheinen wirklich die Ruhe selbst zu sein. Demnächst erhalten die Rinder einen Klauenschnitt, bevor es Ende März wieder hinaus auf die Weide geht wo jetzt schon 60 Stück Jungvieh grasen.
Blick in den Stall – via Internet
Gut zwei Jahre steht die weithin sichtbare Halle wie ein Wahrzeichen da. Sie wurde durch die Rabenauer Gemeindegremien genehmigt und durch den Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums der EU gefördert. Zum Gesamtkonzept gehören ein Laufhof (620 Quadratmeter), das Fahrsilo (1700 Kubikmeter) und die Jauchegrube (235 Kubikmeter).
Hallenhöhe und die Rundumgestaltung sorgen für ein angenehmes Klima und ausreichende Luftzufuhr. Für einen guten Lichtdurchlass wurde eine sandfarbene Folie gewählt. Bei Bedarf können Windschutznetze an den Seiten nachträglich eingebaut werden. Im Hallenboden sind Hülsen im Rastermaß vier mal vier Meter eingelassen, die verschiedene Boxengrößen und -formen zulassen. Hiermit ergibt sich auch die Möglichkeit, die Aufstallung komplett zu entfernen. Dies erleichtert das Entmisten und Reinigen. Und die Halle kann während der Weidesaison anderweitig genutzt werden.
Hendrik Werner erklärte den Besuchern das ausgeklügelte Überwachungssystem der Halle. Unter der Decke hängt eine Rundumkamera mit Zoomeinrichtung, die von weitem einer schlichten Lampe ähnelt. Über das Internet können Roswags von zu Hause (Hofgut Londorf) in jeden Winkel der Halle blicken und sogar eine Beleuchtung einschalten. Mitarbeiter Fabian Köker und Praktikant Lars Siegel zeigten die Beschickung mit Stroh und der Futtercontainer. Mitglieder von Arndt Roswags Chor »Regenbogen« hatten Getränke und Süßigkeiten bereitgestellt, Thomas Gabler eine Lautsprecheranlage.
Am Vormittag hatte Ludwig Probst vom Produktmanagement Rind der Raiffeisen Waren-Zentrale (RWZ) Rhein-Main Köln in der Gaststätte »Zum Lumdatal« (Londorf) mit einem Fachvortrag über »Einsatz von Crystalyx Leckmassen in der Fleischrinderhaltung« informiert. Abgestimmt auf den speziellen Nährstoffbedarf der Wiederkäuer bietet Crystalyx eine Kombination aus hoher Energie, pflanzlichem Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, ist also ein Ergänzungsfuttermittel auf Basis von dehydrierter Melasse und Pflanzenfett.